Nach der CNC-Fräse hat es uns dann doch gereizt noch einen Schritt weiter zu gehen: Ein 3D-Drucker musste her …

Nach ein paar YouTube-Reviews und Testberichten war klar: Für den Einstieg sollte es ein fast fertig montierter Drucker aus der Mittelklasse werden. Es gibt prinzipiell ab etwas über 100 EUR schon 3D Drucker auf einer preislich nach oben hin quasi offenen Skala. Der Anycubic i3 Mega wird hoch und runter gelobt, es sei das perfekte Einsteigermodell mit soliden Druckergebnissen und einfach ein guter Drucker.

Nach einer kurzen Preisrecherche sind wir bei GearBest gelandet, ein Versandhandel aus Fernost, der zahlreiche 3D Drucker zu richtig attraktiven Preisen anbietet – zum Teil auch aus einem EU-Lager, sodass man Zoll usw. umgehen kann. 10 EUR Elektronikbauteile aus Fernost ordern – ok, das haben wir schon oft gemacht. Ein Modell über 300 EUR? Augen zu und durch geklickt … 6 Wochen später kam das Paket aus Fernost, dessen Trackingcode offenbar erst funktionierte, nachdem es EU-Festland betreten hatte. Bis dahin sah es so aus, als sei es gar nicht versendet worden … wir arbeiten selbst in der IT und wissen nur zu gut, wie so etwas passieren kann.

Egal, das Paket kam an und die erste Inbetriebnahme zeigte direkt ein seltsames Verhalten: Direkt nach dem Einschalten fuhr das Gerät gar nicht richtig hoch (Grafik zeichnet nicht komplett) und das Gerät legt wieder einen Reboot mit seinem nervigen Boot-Sound hin oder rebootete spätestens, nachdem ein weiterer Verbraucher am Drucker wie z.B. das Heizbett oder ein Motor eingeschaltet wurde.

Ohje. 300 EUR Schrott aus China? Plug and Play? Pustekuchen … Plug and Pray war hier angesagt! Gearbest rühmt sich mit einem exzellenten Support und einer Dead on Arrival Garantie, die solche Fälle abdeckt. Der Haken: Man muss zuerst ein Ticket eröffnen, das Problem mit Bildern oder Videos beweisen und danach erhält man Anweisungen, die im besten Falle mit einer Rücksendeerlaubnis enden, dessen Kosten man natürlich selbst zu tragen hat. Danach bekommt man evtl. sein Geld oder Abhilfe.

Für uns war schnell klar, dass wir angesichts der hohen Versandkosten nach China und der schier unendlichen Wartezeit für Versand hin und her plus unklarem Ende der sehr geringe Respekt vor ein paar Schrauben und dem Hersteller-Siegel lösten die Sache anders. Ein paar Handgriffe später war der Drucker offen (kaputt ist er ja sowieso schon) und unser Verdacht erhärtete sich: Der Drucker bootete nur neu, weil die Versorgungsspannung zusammenbrach, was auf ein defektes Netzteil hindeutete. Natürlich hat unsere gut sortierte Bastelkiste ein halbwegs dimensioniertes Netzteil zur Verfügung gestellt, das wir provisorisch anklemmen konnten, um den Drucker zu testen. Und siehe da: Geht doch … was aber definitiv nicht ging, ist die Qualitätskontrolle bei Anycubic oder wer auch immer dafür verantwortlich ist. Das Gerät hat nachweislich niemand auf Funktion überprüft, das Paket war unbeschädigt und einwandfrei in Deutschland eingetroffen. So etwas muss in der Qualitätskontrolle auffallen.

Während ein entsprechend passendes Ersatznetzteils schnell besorgt war, lief eine unterhaltsame und wenig konstruktive Unterhaltung mit dem Support von Gearbest und auch von Anycubic. Heraus kam dabei eher wenig, das Angebot den Drucker zurück zu schicken und das Geld zurück zu erstatten (kein Ersatzgerät lieferbar angeblich), aber der Drucker lief bis zu dieser finalen Antwort mit dem aus eigener Tasche bezahltem Netzteil längst einwandrei, unsere mitgelieferte Erklärung für die Ursache des Fehlers interessierte dort niemanden. Gearbest? Nie wieder … es mag bei vielen scheinbar wunderbar funktionieren, hier nicht. Egal wen man in Fernost konsultiert, im schlimmsten Falle steht man eher alleine im Regen.

Da kann man die EU-Verbraucherrichtlinie nur loben, da ist wenigstens alles rund um Widerrufsrecht klar geregelt und Versandzeiten/Kosten im überschaubaren Rahmen. Auch wenn der Einkauf in der EU vielleicht etwas teurer ist, in diesem Falle hatten wir eindeutig Glück im Unglück, denn was wäre wenn es ein weniger einfach zu findender Fehler gewesen wäre? Mechanik? Software? Elektronik auf dem Mainboard? Was ist mit Nutzern, die nicht „mal eben so“ ein funkelnagelneues Gerät aufschrauben und einfach selbst ein Ersatznetzteil einsetzen?

Nun zum aber zum (inzwischen) funktionierenden Drucker:

Und hier ein paar Bilder mit den Details vom 3D-Benchy:

Noch nicht perfekt, aber nun heißt es Feintuning. Temperatur, Geschwindigkeiten, Layer-Höhen, Retraktion und vieles mehr kann bzw muss verändert werden, damit das Druckbild verbessert werden kann.

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